Wiedereinbürgerung Lachs & Meerforelle

 

Lachs und Meerforelle

In Deutschland waren Lachs/Meerforelle ab ca. 1900 verschwunden und wurden 1976 durch den Sportfischerverband Weser-Ems e. V. in Norddeutschland wieder eingebürgert. Hierbei machten sich insbesondere der damalige Vorsitzende und spätere Präsident des Landesfischereiverbandes Günter Brüning, Oldenburg und das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Verbandes und gleichzeitiger Vorsitzender des FV Wittlage Horst Gieselmann, Bad Essen verdient.

Habitatsansprüche

Atlantische Lachse haben ein Verbreitungsgebiet vom Nordpolarmeer bis zum Mittelmeer und vom Ural bis Nordamerika. Durch das große und unterschiedlich strukturierte Verbreitungsgebiet des Lachses ist ein breites Spektrum an Lebensstätten (Marine- u. Binnengewässer) erkennbar. Die Laichhabitate reichen vom Feinsand über Grobsand/Kies bis zum Schotter. Der Sandanteil sollte nicht über 20 % des Kieses/Schottermaterials liegen, weil Laichgruben schnell versanden und Sauerstoffmangel zum Tode der Fischeier führt. Dies gilt bei der Standortwahl für die auszubringenden Rogen z. B in Siebboxen.

Für das Erbrütungsumfeld sind Nebengewässer/Bäche von Fließgewässern mit geringer Ertragskraft und folglich geringer Besatzdichte/Nahrungskonkurrenz/Prädatorendruck.

Besatzmaterial

Milchgewinnung

Lachs

Bei der Auswahl des Besatzmaterials war es in der Vergangenheit schwierig, überhaupt Lachse zu bekommen. Diesbezüglich entstand im Weser-Ems-Gebiet eine Besatzstrategie mit der Bildung eines Genpools aus norwegischen, irischen und westschwedischen Lachsen mit einem breit gefächerten genetischen Potenzial, welches dem ursprünglichen Stamm sehr verwandt ist. Die Grundlage für die Bildung eines adaptierten Lachsstammes war gegeben. Die großen Rückwanderquoten blieben jedoch aus, weil die Beteiligung einzelner Vereine und somit finanzielle Mittel für nachfolgende, mehrjährige Besatzmaßnahmen ausblieben.

Nach den vorliegenden Unterlagen wurden schon vor 150 Jahren mehrere 100.000 Stck. Lachs- und Meerforellenbrütlinge zur Stützung der Bestände ausgesetzt und es hatte sich gelohnt, es wurde kräftig geerntet und es könnte sich wiederholen.

Zwischenzeitlich liegen gute Erfahrungswerte mit schwedischen Wildlachsstämmen vor. Allen Teilnehmern die sich an Wiederansiedlungs-Programmen beteiligen wird dringend empfohlen, einheitliches Besatzmaterial zu verwenden. Ebenso gilt grundsätzlich, auf geographisch nah gelegene Stämme zurückzugreifen. Leider gibt es in unserer Region zu wenig Lachs- und Meerforellen-Rückkehrer, dass wir auf Zukäufe noch nicht verzichten können.

Meerforelle

Bei aller Vorliebe zum Lachs sollte bei den Wiederansiedlungsmaßnahmen auch an die Stützung der Meerforelle gedacht werden. Nach unseren Erfahrungen sind bei elektrischen Befischungen auf der Suche nach Lachslaichern überwiegend Meerforellen gefangen worden. Sie sind gegenüber dem Lachs robuster und ihre Fleischqualität ist mindestens gleichwertig.

Besatzstrategie

Zwischen Weser und Ems, sowie auch in anderen Bereichen gibt es eine Vielzahl an Bächen und Besatzflüssen mit geeigneten Jungfischhabitaten. Aus diesem Grunde bietet sich der Besatz mit unangefütterter Lachs- und Meerforellenbrut an. Grundsätzlich ist der Brutbesatz dem Besatz mit Smolts vorzuziehen. In Bächen aufgewachsene Smolts sind in Becken aufgezogenen in allen Belangen überlegen.

Das Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen zeigen die bessere Flossenqualität und Schwimmleistung gegenüber der Beckenhaltung (auch bei geringerer Besatzdichte). Bei der Beckenhaltung wird eine genetische Degeneration begründet. Ebenso degenerieren die Fluchtreaktionen für eine erfolgreiche Überlebensstrategie im Umgang mit Prädatoren und physiologisch komplizierte Übergänge vom Süßwasser ins Meer.

Bei der Aufzucht mit angeäugten Eiern des Lachses und/oder der Meerforelle in Bachläufen ist noch im gleichen Herbst der Erfolg der Maßnahme durch eine elektrische Fischbestandsaufnahme zu überprüfen. In der Regel ist die Anwesenheit von ca. 6 -12 cm Parrs sicher.

Literaturhinweise: Johnsson et al.,2001, Thorpe, 1980, Metcalfe et al. 2001, McDonald et al. 1998 und Ergebnisse der Wiedereinbürgerung in Sachsen, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Nordhauser Mühle: Wiedereinbürgerung des Lachses und der Meeresforelle

Früher war der Lachs zwischen Weser und Ems weit verbreitet. Er war in fast allen Gewässern heimisch und zog unter anderem in die Gewässer der Ems bis in die Quellgebiete der Hase oberhalb von Osnabrück. Auf der anderen Seite der Wasserscheide im Bereich der Fischzucht Nordhauser Mühle gelangten Lachse und Meerforellen in die Quellbereiche der Hunte. Um 1850 wurden in unseren Heimatgewässern Lachse gefangen und abgestreift. Aufgrund seiner Großwüchsigkeit wurde der Rogen nach Irland exportiert. In den Jahren um 1900 verschwanden die Großsalmoniden.

Nordhauser Mühle: Wiedereinbürgerung des Lachses und der Meeresforelle

Seit 1976 wurde die Fischzucht Nordhauser Mühle mit der Wiedereinbürgerung des Lachses und der Meerforelle durch den LFV Weser-Ems beauftragt. Die ersten Besatzmaßnahmen erfolgten in Hanekenfähr / Ems und Barkhausen / Hunte und weiteren norddeutschen Fließgewässern.

Der Lachs auf der Wanderschaft

Die Wiedereinbürgerung des Lachses ist gelungen. Die ausgesetzten Junglachse wandern im Laufe von circa drei Jahren durch die Flussmündungen ihrer Heimatgewässer in die nahrungsreichen Fischgründe des Nordatlantiks. Nach 3000 Kilometern kehren sie zur Laichzeit in den Bereich ihrer Kinderstuben zurück. Der Abstieg ist fast immer möglich. Der Aufstieg / Rückwanderung gelingt mit Hilfe von Fischtreppen. Leider sind diese immer noch nicht an allen Wehren / Hindernissen vorhanden. Weiterhin sind Hilfestellungen durch Zukauf von Rogen oder Smolts geeigneter Lachs- / Meerforellenstämmen nötig.

Dr. Jens Salva

Dr. Jens Salva, Sportfischerverband im LFV Weser-Ems e. V. präsentiert einen Lachsrückkehrer mit einer Länge von 1,03 m aus einem Nebengewässer der Hunte bei Wildeshausen. Bild von Thomas Kaiser.

Hartwig Hahn

Wiedereinbürgerung gelungen: Hartwig Hahn präsentiert ein 1,20 m langes und ca. 20 kg schweres Lachsmännchen (Lagan-Stamm). Es wurde am 28.11.2009 für die Laichfischgewinnung in der Stör bei Neumünster elektrisch gefangen.