Aquakultur Kreislauftechnik

Stand Januar 2013 Kreislaufanlage in Betrieb genommen

Funktionstüchtigkeit bestanden.
Wirtschaftlichkeit auf dem Prüfstand.

Die Musteranlage der Fischzucht Nordhauser Mühle wurde nach 18 Monaten Bauzeit im Juli 2012 fertig gestellt und danach mit der Fischproduktion begonnen. Die bisherigen Ergebnisse sind sehr zufriedenstellend und die ersten Lachsforellen befinden sich in einem vorzüglichen Gesundheitszustand.

In der viermonatigen Erprobungsphase wurden in zwei Modulen ca. 1500 kg Regenbogenforellen erzeugt, die als Setzling mit einem Stückgewicht von 50 g eingesetzt und auf 550 g Lachsforellen-Anwärter herangewachsen sind. Die Besatzdichte beträgt ca. 25 kg/m3 und wird entsprechend der größer demensionierten Klär/Filterkapazität in den folgenden Mastperioden verdoppelt.

Das Angebot der Nordhauser Mühle im Blickpunkt:

Neueinsteigern von Kreislaufanlagen wird Kooperation angeboten

Die Kreislaufanlage der Nordhauser Mühle ist nach den neuesten Erkenntnissen in der Fischaufzucht und Haltung gebaut und dennoch äußerst einfach konzipiert. Dadurch ist es dem Neueinsteiger möglich, mit einer Bauanleitung, entsprechender Hilfestellung und viel Eigenleistung eine Fischhaltung wesentlich preisgünstiger, als dieses auf dem deutschen Markt z. Z. überhaupt möglich ist, zu bauen.

Zur Sicherung des steigenden Fischbedarfs hat die Fischzucht Nordhauser Mühle seit den 1990er Jahren an neuen Produktionsmethoden und Weiterentwicklungen von Kreislaufanlagen auch auf internationaler Ebene mitgewirkt. Erst seit dem Jahr 2000 kann in Deutschland auf funktionsfähige Kreislauftechnologien verwiesen werden. Entsprechend der großen Nachfrage ist aber bis heute der erwartete Bauboom von Kreislaufanlagen ausgeblieben. Die wichtigsten Gründe hierfür liegen im fehlerhaften Umgang mit neuen Anlagen und Mangel an entsprechendem Fachpersonal, vor allem aber bei der unsicheren Wirtschaftlichkeit durch zu hohe Investitions- und Produktionskosten. Ebenso kann es beim Absatz der produzierten Fische Schwierigkeiten geben. Aus diesem Grund bietet die Fischzucht Nordhauser Mühle dem Neueinsteiger seine Partnerschaft an.

4 Doppelmodule im Rohbau

4 Doppelmodule im Betrieb

Die Musteranlage der Fischzucht Nordhauser Mühle

Kreislaufsystem Fließkanal

Unter Berücksichtigung nachhaltiger Fischproduktionen nach den Vorgaben des Umwelt- und Tierschutzes wurde das rezirkulierende Fließkanalsystem als eine sehr gute Alternative für Fischhaltungen mit verschiedenen Fischarten für unser Pilotprojekt ausgewählt, sowohl für Außenanlagen und insbesondere für klimatisch unabhängige Indoor-Anlagen. Bei dieser Entscheidung waren verschiedene Workshops beim Futermittelhersteller BioMar, DAN und Vertretern aus Wissenschaft und Praxis ausschlaggebend. Es wurden Erfahrungen/Ergebnisse bestehender Kreislaufanlagen ausgewertet, die den Anforderungen bei der Produktion mit verschiedenen Fischarten betriebswirtschaftlich gerecht werden sollten.

Das Kreislaufsystem Fließkanal wird z. Z. im Freiland für die Haltung forellenartiger Fische betrieben und durch seine günstigen Investitions- und Betriebskosten als sehr wirtschaftlich eingestuft. Eine Jahresproduktion von ca. 20 t ist angestrebt.
Dieses Kreislaufsystem ist ebenfalls als eine klimatisch unabhängige Indoor-Anlage zu nutzen. Die Möglichkeit einer ganzjährigen Fischproduktion bei vorhandener Nutzung von Abwärme erhöht somit die Wirtschaftlichkeit der Anlage mit verschiedenen Fischarten erheblich.

Betriebsbeschreibung

Kreislaufanlage

Die Referenzanlage der Nordhauser Mühle ist z. Z. eine Freilandanlage für die Aufzucht von Salmoniden in der Satz- und Speisefischproduktion. Sie unterscheidet sich von anderen Anlagen durch ihre Flexibilität und modulare Bauweise im Out- oder Indoorbereich für Süßwasserfische und marine Fischarten. Sie besteht aus insgesamt acht Fließkanälen bzw. vier paarigen Doppelkanälen/Module, die mit vier seperaten Wasserkreisläufen gesteuert werden.
Jedes Modul hat vier integrierte Wasseraufbereitungen/ Kläranlagen, bestehend aus Sedimentationsabsorbern und entsprechend angeordneten Rohrlüftern für die darüber befindlichen Bioreaktoren. Die Kläranlagen befinden sich am Kopf- und Fußende der Fließkanäle. Dazwischen ist die eigentliche Fischhaltung mit 30,4 m³ Wasservolumen angeordnet.
In den vier Kläranlagen eines Doppelmoduls sind Bioblöcke mit einer theoretischen Oberfläche von insgesamt 1.960 m2 untergebracht. Diese sind für den Abbau der organischen Stoffe bei einer Tagesfuttermenge von 19,6 kg erforderlich. Das entspricht 980 kg Fischbesatz (32,4 kg/m 3 ) pro Durchgang. Bei der Verwendung von Granulaten an Stelle der Bioblöcke ist eine vierfache Erhöhung der Futterzugaben und des Fischbesatzes möglich.

Die Fließgeschwindigkeit wird je nach Besatzdichte, Fischart und –größe, bei einem mehrmaligen Wasserwechsel/h mit Pumpen und hydropneumatischer Wasserumwälzung bei gleichzeitiger Sauerstoffanreicherung des Wassers bestimmt.

Zwei Produktionsbecken eines Moduls haben ein Wasservolumen von insg. 30,4 m³ und sind für die Aufzucht von Brut, Setzlingen und Speisefischen verschiedener Fischarten vorgesehen. Die gute Zugänglichkeit der Beckenanlage ermöglicht einen schnellen Zugriff auf den Fischbesatz. Der geringe Arbeitsaufwand und die tierschutzgerechte Handhabung sind z. B. bei der stressfreien Sortiermethode der Fische berücksichtigt und wirken sich auf das Betriebsergebnis positiv aus.

Die abgesetzten Schweb- und Feststoffe in den zentrifugalen Sedimentationstrichtern werden zur Entlastung des biologischen Abbaus durch kontinuierliches Absaugen entfernt und zur Zwischenlagerung einem Sammler zugeführt. Die abgesetzten Feststoffe/Fischgülle finden als landwirtschaftlicher Dünger oder in Biogasanlagen Verwendung. Das aufstehende Wasser kann in den Wasserkreislauf der Anlage zurückgeführt werden. Es entsteht keine Belastung des Vorfluters.

Die variablen Zwischenkammern vor und hinter den Reaktoren haben verschiedene Anwendungsbereiche. Sie dienen der Wasserführung und wenn erforderlich dem Einsatz von Ozon zur Erhöhung der Abbauleisung biologisch nicht abbaubarer Stoffe (CSB), die im nachfolgendem Biofilter weiter verarbeitet werden können, ebenso zur Reduzierung von Keimen und Krankheitserregern, ebenso ist die Nitrifikation von Ammonium zu Nitrat durch gasförmige Ausstickung möglich.

Der Wasserverbrauch durch Verdunstung und flüssiger Feststoffentnahme führt zu einer Wassererneuerung von ca. 10 %, die durch Grund- oder Quellwasserentnahme erfolgt.

Durch die übersichtlichen Produktionsabläufe sind die Fischhaltungen technisch gut zu überwachen und die Arbeitsabläufe nach den Grundregeln der Hygiene-VO im Sinne der Fischgesundheit und tierschutzgerecht durchzuführen.

Stand 2012 Neubau einer Lehranstalt für Kreislauftechnik in Ostercappeln

Zur Deckung des steigenden Fischbedarfs bei weltweit rückläufigen Fischfängen sind neue Methoden der Fischproduktion in Aquakulturen erforderlich. Hierzu wurde ein Kreislaufsystem / Fließkanal mit bewährten und neuen Techniken entwickelt.

Vorteile der Kreislauftechnik bei der Produktion von Fischen

  • wirtschaftlich
  • tiergerecht
  • umweltgerecht

Bei der Kreislauftechnik sind kleine und ausbaufähige Anlagen für den Einsteiger sehr gefragt. Insbesondere ist die Anfrage von Landwirten sehr hoch, die nach einer Alternative suchen.

Optimale Verbindung zwischen Forschung und Praxis

Die Lehranstalt für Aquakultur und Kreislauftechnik in Ostercappeln ist ein Bindeglied zwischen Forschung und Praxis. Die Lehranstalt wird als eigenständiges Wirtschaftsunternehmen geführt und setzt Forschungsergebnisse unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten um. Sie dient dabei als Ausbildungsstätte für:

  • Auszubildende im Berufszweig Fischwirt
  • Kaufinteressenten, die das Know-How erwerben wollen
  • Fachexperten im späteren Betriebsmanagement, die bei der Vermarktung begleitet werden

Aquakulturen und Kreislaufanlagen sichern den Fischbedarf

Im Jahre 2006 fehlten in Deutschland laut Bundesstatstik 100 000 Tonnen Fische, die zur Absicherung des derzeitigen Fischbedarfs aus der ganzen Welt importiert werden müssen. Dabei könnte diese Menge zum Teil in hiesigen Kreislaufanlagen produziert werden. Hierfür wären rechnerisch 1000 Kreislaufanlagen mit je 100 t Fischproduktion erforderlich. Zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung bis zum Jahre 2030 werden 40 Millionen Tonnen Fische mehr produziert werden müssen. Die in Ostercappeln OT. Nordhausen geplante Kreislaufanlage ist eine zukunftsweisende Fischproduktion.

Vorteile der Kreislaufanlage:

  • Kläranlage eines Doppelmodulses wird 90 bis 95 Prozent weniger Wasser verbraucht
  • es gibt keine Vorfluterbelastung
  • Schlämme werden als landwirtschaftlicher Dünger genutzt
  • Kreislaufanlagen sind umweltfreundlich
  • Kreislaufanlagen sind international wettbewerbsfähig